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Pressemitteilung 2021/04 und Interview mit Dr. med. Thomas Jarausch

Johanna Schmidt |

Verantwortlich:

Dr. med. Thomas Jarausch
Vorstandsvorsitzender der agbn


Honorierung im Notarztdienst in Bayern

Mit großer Sorge blickt die agbn auf die aktuelle Honorierung der in Bayern tätigen Notärztinnen und Notärzte. Die Entgeltvereinbarung für den Notarztdienst zwischen den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) lief zum Jahresende 2020 aus. Die KVB hat in Bayern den Sicherstellungsauftrag und muss landesweit gewährleisten, dass jeder Notarztstandort 24 Stunden täglich entsprechend besetzt ist. Nun sind die Verhandlungen ins Stocken geraten und eine Einigung ist nicht in Sicht.

Dabei ist das Thema nicht neu: Seit Jahren wird über eine adäquate Honorierung mit den Krankenkassen gerungen. Während im gesamten Gesundheitssystem zumindest der ernsthafte Versuch unternommen wird, eine Wertschätzung auch pekuniär auszudrücken, bleiben die bayerischen Notärztinnen und Notärzte unberücksichtigt. Dabei tragen sie gerade bei der SARS-Co-V2 Pandemie eine enorme Verantwortung im Rahmen der ärztlichen Erstversorgung. Zudem scheint dies ein spezifisch bayerisches Problem zu sein – im Vergleich mit benachbarten Bundesländern liegen die Vergütungen der notärztlichen Leistungen weit im unteren Drittel. Obwohl der Freistaat Bayern ein herausragendes Rettungswesen für sich proklamiert, schlägt sich das nicht in einer angemessenen Vergütung für dessen Leistungsträger nieder. Dies galt schon in den Zeiten vor der Corona-Pandemie, tritt aber nun besonders deutlich zu Tage.

Doch wie sah die Realität aus? Wir bayerischen Notärztinnen und Notärzte wurden ohne angemessene Schutzausrüstung zu Notfallpatienten mit Blaulicht entsandt, um deren Leben zu retten, wir mussten weit entfernte Verlegungen von Notfallpatienten durchführen und haben viele Patienten mit hochqualifizierter ärztlicher Hilfe und intensiver Beratung vor unnötiger oder ungewollter Krankenhauseinweisung bewahrt. Wir haben aktiv dazu beigetragen, die bayerischen Krankenhäuser vor dem ansonsten drohenden Kollaps zu bewahren.

Statt zu resignieren oder zu lamentieren, haben sich die Kolleginnen und Kollegen mit hohem persönlichen Einsatz und maximalem persönlichen Risiko in der Corona-Pandemie engagiert. Dafür gebührt Ihnen großer Dank, zumal dieses außerordentliche Engagement überwiegend unbemerkt von der Öffentlichkeit geschehen ist. Für uns ist dies ein berufsethisches Selbstverständnis. Das Akzeptieren der schlechten Honorarbedingungen ist es aber nicht!
Insofern wäre ein komplettes Scheitern der Honorarverhandlungen inakzeptabel, ebenso wie die damit verbundene weitere Hinhaltetaktik aufgrund der Verweigerungshaltung der Kostenträger. Wir erwarten hier endlich eine angemessene Wertschätzung.

Schon in der Vergangenheit hat die agbn wiederholt darauf hingewiesen, dass die Honorarsituation im Notarztdienst Bayern vollkommen aus der Zeit fällt und hinter den Honoraren benachbarter Bundesländer und Anrainerstaaten weit zurückbleibt. Eine qualifizierte Analyse der Notarztvergütung dieser Länder durch die KVB belegt inzwischen, dass Bayern nicht nur kein Spitzenreiter in Anerkennung und Honorierung notärztlicher Leistungen ist, sondern trauriges Schlusslicht!

Unsere Erwartung und Zielsetzung als agbn ist daher, dass die bayerischen Notärztinnen und Notärzte nicht schlechter gestellt werden, als dies für die Mehrheit der benachbarten Bundesländer gilt. Wir wollen nicht mit Besetzungsproblemen drohen oder gar die Bevölkerung verunsichern, sondern sowohl in der Fläche wie auch in den Ballungsräumen eine hochqualifizierte notärztliche Versorgungssicherheit bieten. Aber schon jetzt gibt es regelhaft Probleme, alle Dienste an allen 227 Notarzt-Standorten in Bayern zu besetzen. Nur mit großem persönlichen Engagement vieler Kolleginnen und Kollegen ist dies überhaupt noch möglich. Nun sind die Kostenträger ganz klar in der Bringschuld, schließlich geht es um ihre Mitglieder und die uns anvertrauten Patienten.
Daher fordert die agbn Kostenträger und KVB, aber auch die politischen Verantwortlichen nachdrücklich auf, endlich und umgehend für eine angemessene Anpassung der Notarzt-Honorare zu sorgen. Unterlassen Sie den Raubbau am Notarztwesen in einem der reichsten Bundesländer Deutschlands und nehmen Sie nicht länger den Altruismus und das notärztliche Pathos als Faustpfand für eine notärztliche Versorgung zum Dumpingpreis!

Zeigen Sie, dass Sie notärztliche Tätigkeit in Bayern wertschätzen, nicht nur mit Lippenbekenntnissen, sondern auch mit einem angemessenen und zeitgemäßen Honorar.

Nur so kann die notärztliche Versorgung aller Notfallpatienten in Bayern mittel- und langfristig sichergestellt werde. Diese Forderung sind wir als agbn nicht nur unseren Mitgliedern schuldig, sondern wir denken dabei in erster Linie an die Patientinnen und Patienten, die auch in Zukunft unserer notärztlichen Behandlung vor Ort bedürfen.

Interview des Bayerischen Rundfunks mit Dr. med. Thomas Jarausch (Vorstandsvorsitzender der agbn) zum Thema Honorierung im Notarztdienst in Bayern:

Quelle: Bayerischer Rundfunk